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 Die Situation des schriftlichen Kulturerbes in Deutschland
Mehr als 330 öffentliche Bibliotheken und Archive in Deutschland pflegen wissenschaftlich anspruchsvolle Bestände mit einem Gesamtumfang von rund 150 Mio. Bänden. Laut Schadenbefund des Deutschen Bibliotheksinstituts sind von diesem Bestand 43 Prozent und damit knapp 65 Mio. Bände zum Teil schwer geschädigt. Die Zahl von 150 Mio. Bänden beinhaltet keine ausländische Literatur, dafür aber je 5 Prozent der deutschen Literatur an öffentlichen und Spezialbibliotheken.
Die Literatur nach 1990 wird auf Grund ihres weitgehend schadlosen Zustandes nicht berücksichtigt.
Die erforderlichen Kosten für die Erhaltung der Bestände gehen in die Milliarden Euro. Selbst wenn man sich dafür einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren vorgibt, sind diese Summen nur mit größter Mühe aufzubringen. Daher muss der Schutz des nationalen Schriftgutes auf eine definierte Menge konzentriert werden, die durch Fördermaßnahmen langzeitverfügbar gemacht wird. Sie wird hier als besonders schutzwürdig bezeichnet.
Das bedeutet: Schon heute muss ein beträchtlicher Teil des geschriebenen deutschen Kulturerbes sehenden Auges verloren gegeben werden, weil er aus Kostengründen nicht zu retten ist!
Für immer zu erhaltendes – besonders schutzwürdiges – nationales Schriftgut ist:
- die deutschen Druckerzeugnisse von den Anfängen bis zum Jahr 1990 (aus: Die wissenschaftliche Bibliothek. DBI 1993),
- andere Formen der schriftlichen Äußerung, die auf deutschem Boden entstanden und bewahrt sind, z.B. Handschriften, Nachlässe, Karten, darüber hinaus audio-visuelle Medien, Mikroformen und Digitalisate mit relevantem Inhalt,
- herausragendes Sammelgut nicht deutscher Provenienz,
- Weltkulturerbe.
Die schriftliche Überlieferung von den Anfängen bis zum Jahr 1850 umfasst zum einen ca. 1,3 Mio. Druckwerke (alte Drucke und Handschriften). Diese sind in ca. 15 Mio. Exemplaren überliefert. Um die Langzeitverfügbarkeit in den staatlich beauftragten Einrichtungen zu ermöglichen, wird die Erhaltung der besonders schutzwürdigen Exemplare öffentlicher Bibliotheken und Archive angestrebt:
- alle Druckwerke, die im Einzugsbereich der Regionalbibliotheken erschienen sind und die sich im Besitz dieser oder anderer öffentlicher Bibliotheken befinden.
Darüber hinaus besitzen diese und viele weitere Bibliotheken in großem Umfang Nachlässe, Handschriften, Karten u.a., die wie alle Unika von regionaler und überregionaler Bedeutung für immer zu bewahren sind.
In den Jahren zwischen 1850 und 1990 sind etwa 2 Mio. Druckwerke erschienen (neueres Sammelgut), die in ca. 135 Mio. Exemplaren auf viele Bibliotheken verteilt sind. Laut nationaler Schadenanalyse sind davon bereits 12 Prozent vom Papierzerfall hochgradig betroffen, so dass nicht mehr das Original, sondern nur noch dessen Inhalt durch Mikroverfilmung oder Digitalisierung bewahrt werden kann.
Zur Betrachtung der schutzwürdigen Bestände gehört auch die Frage nach den für deren Restaurierung notwendigen Kapazitäten. Für die Bestandserhaltung steht deutschen Bibliotheken und Archiven - mit Ausnahme einiger hochrangiger - wenig bis kein Personal zur Verfügung. Nicht selten wird Bestandserhaltung als Nebenaufgabe von dafür nicht qualifizierten Mitarbeitern geleistet. Die Kapazität privater Dienstleister in Deutschland ist auf die Behandlung so großer Mengen nicht eingestellt. Die Erhaltung des geschädigten Bestandes würde unter heutigen Voraussetzungen mehrere Jahrhunderte dauern. Während dieser Zeit würden große Teile des deutschen Bibliotheksbestandes verloren gehen oder unbenutzbar werden.
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| Aufruf zum Tag des schriftlichen Kulturerbes |

>> mehr >> Zur Absage der Zentralveranstaltung des Tages des schriftlichen Kulturerbes
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| Eine Stiftung entsteht |
Die Notwendigkeit, Sofortmaßnahmen gegen den fortschreitenden Zerfall des deutschen schriftlichen Kulturerbes einzuleiten, ist offensichtlich...
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| Kulturgut im Fokus |
 In dieser Rubrik wollen wir Ihnen besonders schutzwürdige Bestände vorstellen...
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